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Frisch gedruckt

Ich freue mich sehr über die brandaktuelle Veröffentlichung meines Textes:

Beratung als Praxis der Unterscheidung. Die Unterscheidungsidee von George Spencer Brown, angewandt auf Beratung für LGBTIQ und Geschlecht, in: Wuttig, Bettina / Wolf, Barbara (Hg.): Körper Beratung. Beratungshandeln im Spannungsfeld von Körper, Leib und Normativität, erschienen soeben beim transcript Verlag

In diesem Text schlage ich vor, Beratung als eine Praxis der Unterscheidung zu betrachten, präziser: als Unterstützung der Reflexion eigener Unterscheidung/en, damit Unterstützung für einen Zugewinn an Entscheidungs- und Handlungsfreiheit, basierend auf der Unterscheidungsidee von George Spencer Brown nach Matthias Varga von Kibéd und exemplarisch entfaltet für „Geschlecht“ bzw. LGBTIQ.

Der Text sagt sowohl etwas über (meine) Arbeit bzgl. LGBTIQ, als auch Prinzipielleres und erläutert damit auch meinen Praxisnamen:

Praxis für Unterscheidung und Zusammenhang.

Ich suche bzw. begleite Unterscheidungen und Zusammenhänge.

„Unterscheidung ist vollkommener Zusammenhang.“ – ein Zitat von George Spencer Brown, den ich durch Matthias Varga von Kibéd kennengelernt habe, der mich tiefgreifend inspiriert.

Alle Aspekte einer Unterscheidung zusammen schöpfen eine vollständige Welt.

Ohne Unterscheidung können wir nicht leben.

Leben ist Unterscheidung.

Wir können eine Unterscheidung treffen zwischen dieser und jener Unterscheidung, zwischen Unterscheidung und Nicht-Unterscheidung, aber wir können nicht auf Unterscheidung verzichten (nicht in dieser Welt). Wir können nicht aufhören zu unterscheiden, aber wir können Unterscheidungen in Frage stellen, und wir können das Infragestellen in Frage stellen. Wir können entscheiden, welche Unterscheidungen wir treffen wollen, und wir können ab und zu Pause machen.

Das ist – für mich – sowohl beraterisch wie therapeutisch, persönlich wie politisch relevant.

Jubiläumsjahr

Seit 10 Jahren arbeite ich selbständig, seit 5 Jahren führe ich auch eine Praxis in Berlin.

Anlässlich meiner beiden Jubiläen lade ich dieses Jahr zusammen mit Geneva Moser zur Tagung „Transgenerationale Heilung“ am 02./03.11.2019 in Berlin ein.

Seit vielen Jahren Traumaarbeit, ist es uns ein Anliegen, auch auf stärkende, heilende, hilfreiche Kräfte, Ressourcen, Weitergaben zu schauen, hier unter dem besonderen Aspekt der Generationen – im persönlichen, beruflichen wie im politischen Raum.

 

 

 

Natürlich geht auch meine andere Arbeit weiter: Ich biete Supervision (DGSv), Beratung und Psychotherapie (HPG), Fortbildungen und Vorträge, Coaching wissenschaftlicher Arbeiten und Systemische Strukturaufstellungen (Syst®). Mehr dazu unter Meine Formate.

Inhaltliche Schwerpunkte sind (sexuelle) Gewalterfahrungen und Trauma, Überlebensstrategien (z.B. DIS) und das Leben nach dem Überleben, Genderfragen, Identität und Lebensweisen sowie politische (Community-)Perspektiven in Bezug auf diese Themen. Mehr dazu unter Inhaltliches.

 

Ich freue mich über Ihr Interesse und Nachfragen.

 

Schreibweisen

Vielleicht sind Sie irritiert von hier – wie auch zunehmend in anderen Kontexten – auftauchenden Schreibweisen von Sternchen mitten im Wort, Unterstrichen und dem großen Binnen-I. Oder Sie freuen sich ganz besonders.

 

Es begann mit feministischer Kritik an der deutschen Sprache, in der Frauen – z.B. als „Klienten“ oder „Studenten“ – nicht explizit genannt wurden und damit auch als nicht (mit) gedacht und gemeint wahrgenommen wurden. Durch sie haben sich Schreibweisen wie „Klient/innen“, „Klienten und Klientinnen“ oder „KlientInnen“ etabliert, um Frauen sichtbar, hörbar, deutlich zu machen.

 

Die Bewegungen und Auseinandersetzungen haben sich dahingehend weiterentwickelt, dass die Zweigeschlechtlichkeit als Gesamtkonzept kritisiert wird. Menschen, die dazwischen leben, mit Aspekten beider Geschlechter, sich als keines von beidem wahrnehmen, jenseits der dichotomen Zweigeschlechtlichkeit oder von Geschlechtlichkeit überhaupt und/oder im Übergang, sind auch in den ersten feministischen Schreibweisen nicht repräsentiert. Die sprachliche Form der Substantivierung von Partizipien wie “Studierende” oder “Ratsuchende” scheint auch diese Frage mitzulösen.

 

Diese Sprachregelung ist aber zum einen nicht immer möglich, zum anderen lässt sie Frauen wieder ganz verschwinden, wenn auch nicht in einer männlichen Sprachform, so doch in einer, die Geschlechtlichkeit überhaupt verschleiert.
In Reflexion all dieser Fragen sind “*” (Sternchen) und “_” (Unterstrich) entstanden: Der Unterstrich verdeutlicht dabei den Übergang, das Fließende oder auch das Dazwischen, während das Sternchen mehr für die lockere Bezugnahme sowie das ganz Andere steht. Das große Binnen-I behält die explizite Repräsentanz von Frauen bei.

 

Diese Sprach- und Schrift-weisen sind selbst Übergänge, Zwischenlösungen.
Und viele mögen sagen: wie kompliziert das alles zu lesen, zu schreiben, zu sprechen.

 

Meine – vorübergehenden – Antworten darauf sind:
Vor 20 Jahren schien es den meisten Menschen eine grammatikalische Undenkbarkeit, Frauen klar und deutlich in der Sprache zu repräsentieren; und doch ist es möglich geworden (die Alternative, von „Studentinnen“, „Beraterinnen“ zu sprechen und damit Männer mitzumeinen, hat sich – wiewohl ebenso um die einfachere Lesbarkeit bemüht – nicht durchgesetzt). Vieles ist eine Frage von Übung und Gewohnheit (vor noch nicht mal 100 Jahren musste mann sich auch erst mal daran gewöhnen, dass Frauen wählen!).
Und: Es mag schwierig sein, all dies zu bedenken und zu sprechen. Es ist viel schwieriger, es zu leben und in der Welt, in der Sprache, im Denken nicht vorzukommen.
Insofern sehe ich diese Bemühungen als Ausdruck von Respekt.