Herzlich Willkommen auf meiner Website

 

Ich freue mich, dass Sie sich hier umschauen mögen.

 

Ich biete Supervision (DGSv), Beratung und Psychotherapie (HPG), Fortbildungen und Vorträge, Coaching wissenschaftlicher Arbeiten und Systemische Strukturaufstellungen (Syst®). Mehr dazu unter Meine Formate.

Inhaltliche Schwerpunkte sind (sexuelle) Gewalterfahrungen und Trauma, Überlebensstrategien (z.B. DIS) und das Leben nach dem Überleben, Genderfragen, Identität und Lebensweisen sowie politische (Community-)Perspektiven in Bezug auf diese Themen. Mehr dazu unter Inhaltliches.

Auf der Startseite weise ich ab und zu auf Aktuelles hin, oder auf Aspekte, die mich besonders beschäftigen. Heute

Schuld

„Schuld“ ist für viele Menschen ein hochgradig aufgeladener Begriff. Moral, Verwerflichkeit, Ablehnung, Zurückweisung, Gewalt, Kriminalität und Justiz, Scham sind Aspekte, die hierbei eine Rolle spielen. Häufig eher möglich und weniger belastet und beladen ist der Begriff von und die Auseinandersetzung mit „Verantwortung“.

Ich plädiere immer mal wieder dafür, den Schuldbegriff nicht völlig aus der Sprache und damit aus der Beschäftigung damit als Aspekt menschlichen Handelns zu verbannen. Umgekehrt denke ich: Menschen, die erwachsen werden, machen sich schuldig. Immer mal wieder. Verletzen. Greifen an. Sind unfair. Und es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Sich dazu in ein Verhältnis zu setzen. In Verantwortung zu gehen. Wiedergutmachung zu leisten. Sich zu entschuldigen. Es besser zu machen.

Ja, es gibt ein Maß an Schuld, bei dem das kaum möglich ist. Aber den Begriff der Schuld als solches erst dort anzusetzen, heißt, sie am Rand des Menschseins zu verorten. Dann sind immer nur die Anderen schuldig, die Fast-schon-nicht-mehr-Menschen. Das erschwert, sich selbst als schuldhaft, als schuldig zu sehen und  damit bewusst und reflektiert umzugehen.

Ich vertrete demgegenüber, Schuld zu entdämonisieren. Das meint nicht, sie zu bagatellisieren oder zu verniedlichen. Aber sie gehört zum Menschsein dazu. Wir machen uns schuldig, und das ist überlebbar, es ist aushaltbar – und es ist möglich, dafür in Verantwortung zu gehen und Konsequenzen zu ziehen.

Schreibweisen

Vielleicht sind Sie irritiert von hier – wie auch zunehmend in anderen Kontexten – auftauchenden Schreibweisen von Sternchen mitten im Wort, Unterstrichen und dem großen Binnen-I. Oder Sie freuen sich ganz besonders.

 

Es begann mit feministischer Kritik an der deutschen Sprache, in der Frauen – z.B. als „Klienten“ oder „Studenten“ – nicht explizit genannt wurden und damit auch als nicht (mit) gedacht und gemeint wahrgenommen wurden. Durch sie haben sich Schreibweisen wie „Klient/innen“, „Klienten und Klientinnen“ oder „KlientInnen“ etabliert, um Frauen sichtbar, hörbar, deutlich zu machen.

 

Die Bewegungen und Auseinandersetzungen haben sich dahingehend weiterentwickelt, dass die Zweigeschlechtlichkeit als Gesamtkonzept kritisiert wird. Menschen, die dazwischen leben, mit Aspekten beider Geschlechter, sich als keines von beidem wahrnehmen, jenseits der dichotomen Zweigeschlechtlichkeit oder von Geschlechtlichkeit überhaupt und/oder im Übergang, sind auch in den ersten feministischen Schreibweisen nicht repräsentiert. Die sprachliche Form der Substantivierung von Partizipien wie “Studierende” oder “Ratsuchende” scheint auch diese Frage mitzulösen.

 

Diese Sprachregelung ist aber zum einen nicht immer möglich, zum anderen lässt sie Frauen wieder ganz verschwinden, wenn auch nicht in einer männlichen Sprachform, so doch in einer, die Geschlechtlichkeit überhaupt verschleiert.
In Reflexion all dieser Fragen sind “*” (Sternchen) und “_” (Unterstrich) entstanden: Der Unterstrich verdeutlicht dabei den Übergang, das Fließende oder auch das Dazwischen, während das Sternchen mehr für die lockere Bezugnahme sowie das ganz Andere steht. Das große Binnen-I behält die explizite Repräsentanz von Frauen bei.

 

Diese Sprach- und Schrift-weisen sind selbst Übergänge, Zwischenlösungen.
Und viele mögen sagen: wie kompliziert das alles zu lesen, zu schreiben, zu sprechen.

 

Meine – vorübergehenden – Antworten darauf sind:
Vor 20 Jahren schien es den meisten Menschen eine grammatikalische Undenkbarkeit, Frauen klar und deutlich in der Sprache zu repräsentieren; und doch ist es möglich geworden (die Alternative, von „Studentinnen“, „Beraterinnen“ zu sprechen und damit Männer mitzumeinen, hat sich – wiewohl ebenso um die einfachere Lesbarkeit bemüht – nicht durchgesetzt). Vieles ist eine Frage von Übung und Gewohnheit (vor noch nicht mal 100 Jahren musste mann sich auch erst mal daran gewöhnen, dass Frauen wählen!).
Und: Es mag schwierig sein, all dies zu bedenken und zu sprechen. Es ist viel schwieriger, es zu leben und in der Welt, in der Sprache, im Denken nicht vorzukommen.
Insofern sehe ich diese Bemühungen als Ausdruck von Respekt.